Bodenrichtwert 2026 kostenlos ermitteln

Bodenrichtwert 2026 kostenlos ermitteln, Bodenwert und Bodenwertanteil berechnen und verstehen, warum ein hoher Richtwert Ihre AfA drückt. ✓ Stand 2026

Cristobal Cuadra Garcia, von IQ-Zert zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung und Restnutzungsdauergutachten
Cristobal Cuadra Garcia
Zertifizierter Sachverständiger (DIN EN ISO/IEC 17024)
21. Mai 202614 Min. LesezeitAktualisiert 3. Oktober 2026
Blaue Deutschlandkarte der Bundesländer zur Bodenrichtwert-Ermittlung über BORIS-D
Inhaltsverzeichnis

Der Bodenrichtwert ist eine Zahl, die viele Eigentümer erst kennenlernen, wenn das Finanzamt sie verlangt. Er steckt in der Grundsteuer, in der Erbschaftsteuer und in jeder Kaufpreisaufteilung. Für Vermieter wiegt er besonders schwer: Je höher der Boden bewertet ist, desto weniger vom Kaufpreis dürfen Sie abschreiben. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie den Wert 2026 kostenlos finden, wie Sie daraus den Bodenwert Ihres Grundstücks ableiten und wie Sie den Bodenwertanteil berechnen. Am Ende steht ein Beispiel aus dem Karlsruher Markt mit durchgerechneten Zahlen.

Was ist der Bodenrichtwert

Was ist der Bodenrichtwert? Er ist nach § 196 BauGB der durchschnittliche Lagewert des Bodens in einem abgegrenzten Gebiet, angegeben in Euro je Quadratmeter. Dieses Gebiet heißt Bodenrichtwertzone. Alle Grundstücke darin sollen ähnliche Merkmale haben: gleiche Nutzung, ähnliche Lage, ähnlicher Zuschnitt.

Was bedeutet der Bodenrichtwert in der Praxis? Er beschreibt kein echtes Grundstück, sondern ein gedachtes Musterstück der Zone, das Richtwertgrundstück. Zu jedem Wert gehören deshalb Angaben wie Art der Nutzung, Größe, Erschließung und oft die wertrelevante Geschossflächenzahl (WGFZ). Ein Eintrag kann etwa lauten: 820 Euro je Quadratmeter, Wohnbaufläche, erschlossen, 500 Quadratmeter, WGFZ 1,2.

Was ist ein Bodenrichtwert nicht? Ein Festpreis für Ihr Grundstück. Weicht Ihre Fläche vom Muster ab, ist sie mehr oder weniger wert. Eine Ecke, ein Hang, ein schmaler Zuschnitt oder ein Wegerecht ändern den Wert. Der Richtwert ist der Startpunkt, nicht das Ergebnis.

Zuständig sind die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte nach § 192 BauGB. Wie sie gebildet werden, regeln die Länder. In Baden-Württemberg gibt es sie bei Gemeinden und in gemeinsamen Ausschüssen mehrerer Gemeinden, anderswo meist je Kreis oder kreisfreier Stadt. Die Mitglieder sind Fachleute aus Bewertung, Bau und Verwaltung. Mehr zum Begriff steht im Lexikon unter Bodenrichtwert.

Wie wird der Bodenrichtwert ermittelt

Wie wird der Bodenrichtwert ermittelt? Grundlage sind echte Verkäufe. Nach § 195 BauGB muss jeder Notar eine Abschrift jedes Kaufvertrags über ein Grundstück an den Gutachterausschuss senden. Daraus entsteht die Kaufpreissammlung, eine Datenbank, die nicht öffentlich ist.

Der Ausschuss wertet diese Verkäufe Zone für Zone aus. Preise, die durch besondere Umstände verzerrt sind, bleiben außen vor, etwa Verkäufe unter Verwandten oder Notverkäufe. Bei bebauten Flächen rechnet er den Gebäudewert heraus. Was übrig bleibt, wird auf das Richtwertgrundstück umgerechnet. Gibt es in einer Zone zu wenige Verkäufe, zieht er Daten aus ähnlichen Lagen heran.

Der Stichtag ist im Gesetz festgelegt. Nach § 196 Abs. 1 BauGB werden die Bodenrichtwerte zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres ermittelt, wenn nicht häufiger. Die meisten Länder nutzen den 1. Januar der geraden Jahre, zuletzt also den 1.1.2026. Manche Ausschüsse, etwa in Nordrhein-Westfalen, ermitteln jedes Jahr. Veröffentlicht wird meist erst einige Monate nach dem Stichtag.

Zusätzlich gibt jeder Ausschuss einen Grundstücksmarktbericht heraus, mit Preisentwicklung, Liegenschaftszinssätzen und Umrechnungskoeffizienten. Für eine genaue Bewertung ist er oft wichtiger als die Zahl auf der Karte.

Bodenrichtwert ermitteln: kostenlos über BORIS und die Bodenrichtwertkarte

Bodenrichtwert ermitteln geht heute in wenigen Minuten online. Die Länder stellen ihre Werte in Portalen bereit, die meist BORIS heißen: Bodenrichtwertinformationssystem. Sie geben eine Adresse ein und sehen die Bodenrichtwertkarte mit den Zonen. Ein Klick in die Zone zeigt den Wert und die Merkmale des Richtwertgrundstücks.

Das Bundesportal BORIS-D, das D steht für Deutschland, bündelt unter bodenrichtwerte-boris.de die Daten vieler Länder in einer Karte. Wer es genauer braucht, geht direkt auf das Portal seines Landes:

LandPortalAbruf
bundesweitBORIS-Dkostenlos, nicht alle Länder
Baden-WürttembergBORIS-BW (gutachterausschuesse-bw.de)kostenlos, Werte ab Stichtag 2018
BayernBORIS Bayerngegen Gebühr
Nordrhein-WestfalenBORIS.NRWkostenlos, Werte jährlich
NiedersachsenImmobilienmarkt Niedersachsenkostenlos
SachsenBORIS Sachsenkostenlos
BerlinGutachterausschuss Berlinkostenlos

Bodenrichtwert kostenlos heißt: für den Blick in die Karte zahlen Sie fast überall nichts. In Bayern kostet die schriftliche Auskunft über BORIS Bayern eine Gebühr. Viele Werte zeigt aber auch dort der BayernAtlas kostenlos.

Brauchen Sie den Wert schriftlich, etwa für einen Einspruch, können Sie eine Auskunft bei der Geschäftsstelle des Ausschusses anfordern. Das Recht dazu hat nach § 196 Abs. 3 BauGB jeder, ein Eigentum am Grundstück ist nicht nötig. Die Gebühr richtet sich nach dem Gebührenrecht des Landes oder der Gemeinde.

Achten Sie beim Abruf auf drei Dinge. Erstens den Stichtag: Für eine Kaufpreisaufteilung zählt der Wert zum letzten Stichtag vor dem Kaufvertrag, nicht der heutige. Zweitens die Zone: An Zonengrenzen liegt ein Grundstück schnell in der falschen. Drittens die Merkmale: Nur wenn Ihr Grundstück dem Muster gleicht, passt die Zahl ohne Anpassung. In der BMF-Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung tragen Sie den Wert in Ziffer 12 ein.

Bodenrichtwert bebautes Grundstück

Der Bodenrichtwert für ein bebautes Grundstück wird so bestimmt, als stünde dort kein Haus. Das schreibt § 196 Abs. 1 Satz 2 BauGB vor: In bebauten Gebieten gilt der Wert, der sich ergeben würde, wenn der Boden unbebaut wäre. Auch § 40 ImmoWertV verlangt, den Bodenwert ohne die Gebäude zu ermitteln.

Für Sie als Eigentümer heißt das: Ihr Haus ändert den Bodenrichtwert nicht. Ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1908 steht auf Boden, der genauso bewertet wird wie ein freies Baugrundstück nebenan. Der Wert der Mauern kommt erst im zweiten Schritt dazu, im Sachwert- oder Ertragswertverfahren.

Ausnahmen kennt die ImmoWertV trotzdem. Nach § 40 Abs. 5 kann die vorhandene Nutzung den Bodenwert beeinflussen, wenn sie deutlich von der zulässigen abweicht. Ein Beispiel ist ein altes, niedriges Haus in einer Zone, in der vier Geschosse erlaubt wären, das aber noch lange stehen bleibt. Ein anderes ist ein wirtschaftlich verbrauchtes Gebäude, das trotzdem nicht bald abgerissen wird.

Einen pauschalen Abschlag beim Bodenrichtwert für ein bebautes Grundstück gibt es also nicht. Ob Ihre Bebauung den Bodenwert mindert, klärt ein Sachverständiger im Einzelfall.

Bodenwert ermitteln und berechnen

Bodenwert ermitteln heißt: aus dem Richtwert der Zone den Wert Ihres eigenen Grundstücks ableiten. Die Grundformel ist einfach:

`` Bodenwert = Grundstücksfläche × Bodenrichtwert × Umrechnungskoeffizient ``

Ein Beispiel: 800 Quadratmeter Fläche, Bodenrichtwert 600 Euro je Quadratmeter. Gleicht das Grundstück dem Muster der Zone, ist der Koeffizient 1. Der Bodenwert liegt dann bei 480.000 Euro. So weit können Sie den Bodenwert berechnen, ohne Fachmann zu sein.

Schwieriger wird es, wenn Merkmale abweichen. Der Grundstücksmarktbericht nennt dafür Umrechnungskoeffizienten. Ein typischer Fall ist die Größe: Ein Grundstück mit 1.000 statt 500 Quadratmetern hat meist einen niedrigeren Preis je Quadratmeter. Bei Mehrfamilienhäusern zählt oft die WGFZ, also wie dicht gebaut werden darf. Den Bodenrichtwert berechnen Sie dann so: Richtwert mal Koeffizient Ihres Grundstücks geteilt durch Koeffizient des Musters.

Bei einer Eigentumswohnung gehört Ihnen nicht das ganze Grundstück. Maßgeblich ist Ihr Miteigentumsanteil laut Grundbuch. Ein Anteil von 85/1.000 an 1.200 Quadratmetern ergibt 102 Quadratmeter. Bei 900 Euro je Quadratmeter liegt Ihr Bodenwert bei 91.800 Euro.

Für eine erste Einschätzung reicht das. Für das Finanzamt zählt dagegen, ob jede Abweichung belegt ist.

Bodenrichtwert Abschläge

Bodenrichtwert Abschläge kommen ins Spiel, wenn Ihr Grundstück schlechter ist als das Muster der Zone. Zuschläge gibt es umgekehrt, wenn es besser ist. Beides folgt keiner festen Liste, sondern dem örtlichen Markt.

Typische Gründe für einen Abschlag:

  • Zuschnitt: schmale, tiefe oder verwinkelte Flächen lassen sich schlechter bebauen
  • Hanglage: Bauen am Hang kostet mehr, das senkt den Wert des Bodens
  • Lärm: Lage an einer Bahnstrecke oder Hauptstraße
  • Rechte Dritter: Wegerecht, Leitungsrecht oder eine Baulast
  • Altlasten: belasteter Boden muss saniert werden, bevor gebaut wird
  • Denkmalschutz: Auflagen begrenzen, was auf der Fläche möglich ist

Den angepassten Bodenrichtwert berechnen Sie für Ihr Grundstück also erst nach diesem Abgleich. Wie viel ein Abschlag ausmacht, steht selten fest. Für Größe und WGFZ liefern die Ausschüsse Koeffizienten, für Lärm oder Rechte Dritter meist nicht. Dann leitet ein Sachverständiger den Wert aus Vergleichsfällen her oder schätzt ihn begründet.

Wichtig ist der Nachweis. Ein Abschlag ohne Beleg hilft Ihnen beim Finanzamt nicht. Ein Gutachten, das jede Abweichung aus dem Marktbericht oder aus Vergleichsfällen ableitet, hat dagegen gute Chancen. Die Entscheidung trifft das Amt im Einzelfall.

Bodenwert, Bodenrichtwert und Verkehrswert: der Unterschied

Bodenwert, Bodenrichtwert und Verkehrswert werden oft verwechselt. Es sind drei verschiedene Größen:

WertWas wird bewertet?Wer ermittelt ihn?Wofür brauchen Sie ihn?
BodenrichtwertMusterquadratmeter einer ZoneGutachterausschussGrundsteuer, erste Recherche
BodenwertIhr Grundstück ohne GebäudeSie selbst oder ein SachverständigerKaufpreisaufteilung, AfA
VerkehrswertGrundstück samt GebäudeSachverständiger (§ 194 BauGB)Verkauf, Erbe, Scheidung, Gericht

Der Bodenwert steckt im Verkehrswert, ist aber nur ein Teil davon.

Für Vermieter ist der Bodenwert die wichtigere Zahl. Er entscheidet, wie viel vom Kaufpreis auf das Gebäude entfällt, und nur das Gebäude dürfen Sie abschreiben. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Warum Grund und Boden nicht abschreibbar ist.

Ein Verkehrswertgutachten für Verkauf, Erbe oder Scheidung erstellt unser Partner CCG-Gutachten. Geht es Ihnen um die Abschreibung einer vermieteten Immobilie, ist der Weg ein anderer: erst den Bodenwert in der Kaufpreisaufteilung prüfen, dann die Restnutzungsdauer belegen. Einen ersten Wert dafür liefert der Restnutzungsdauer-Rechner.

Grundstück teurer als Bodenrichtwert

Ein Grundstück teurer als der Bodenrichtwert ist keine Seltenheit. Der Richtwert ist ein Mittelwert aus Verkäufen der Vergangenheit. Zwischen Stichtag und Kauf liegen oft ein bis zwei Jahre. Steigen die Preise in dieser Zeit, zahlen Käufer mehr, als die Karte zeigt.

Bodenrichtwert und tatsächlicher Preis gehen auch aus anderen Gründen auseinander. Ein Käufer, der genau dieses Grundstück will, zahlt einen Aufschlag. Eine Ecklage oder ein schöner Blick heben den Preis. Bauträger zahlen in gefragten Städten oft mehr, weil sie dichter bauen dürfen als das Muster.

Umgekehrt liegt der Preis manchmal darunter, etwa wegen Lasten im Grundbuch, eines schwierigen Zuschnitts oder sinkender Preise. Auch das ist Folge eines Durchschnitts.

Steuerlich zählt bei einem bebauten Objekt nicht, was Sie für den Boden allein gezahlt hätten. Sie zahlen einen Gesamtpreis, und der wird aufgeteilt. Liegt der Bodenrichtwert sehr hoch, rechnet die Aufteilung dem Boden einen großen Teil zu, auch wenn Sie das Haus gekauft haben, weil es gut vermietet ist. Genau an dieser Stelle lohnt der zweite Blick.

Bodenwertanteil

Der Bodenwertanteil ist der Teil des Kaufpreises, der auf Grund und Boden entfällt. Was bedeutet der Bodenrichtwert also für Vermieter? Er bestimmt maßgeblich, wie groß dieser Anteil ausfällt. Er ist steuerlich wichtig, weil Boden sich nicht abnutzt und deshalb keine AfA bringt. Nur der Rest, der Gebäudeanteil, wird abgeschrieben.

Für den Bodenwertanteil gibt es keine amtlichen Quoten. Wie stark der Richtwert wirkt, zeigt dasselbe Haus aus dem Rechenbeispiel unten (480 m² Grund, Gebäudewert 1.050.000 Euro, Kaufpreis 1.450.000 Euro) mit verschiedenen Richtwerten:

Bodenrichtwert je m²BodenwertanteilGebäudeanteil am KaufpreisAfA mit 2,5 Prozent
300 Euro12,1 Prozent1.275.126 Euro31.878 Euro
820 Euro27,3 Prozent1.054.655 Euro26.366 Euro
1.500 Euro40,7 Prozent860.169 Euro21.504 Euro
3.000 Euro57,8 Prozent611.446 Euro15.286 Euro

Steigt der Richtwert von 820 auf 3.000 Euro, sinkt die jährliche AfA bei gleichem Kaufpreis um mehr als 11.000 Euro. In teuren Innenstadtlagen, etwa in München, Hamburg oder Frankfurt, kann so mehr als die Hälfte des Kaufpreises auf den Boden entfallen.

Den genauen Weg vom Gesamtpreis zu Boden- und Gebäudeanteil beschreibt der Ratgeber Kaufpreisaufteilung. Wie aus dem Gebäudeanteil die Basis für die Abschreibung wird, steht unter AfA-Bemessungsgrundlage.

Rechenbeispiel: Bodenwertanteil berechnen für ein Mehrfamilienhaus in Karlsruhe

Den Bodenwertanteil berechnen Sie nicht, indem Sie den Bodenwert einfach vom Kaufpreis abziehen. Der Bundesfinanzhof verlangt eine Aufteilung nach dem Verhältnis der Werte. Die Formel lautet:

`` Bodenwertanteil = Bodenwert / (Bodenwert + Gebäudewert) × 100 Gebäudeanteil am Kaufpreis = Kaufpreis × Gebäudewert / (Bodenwert + Gebäudewert) ``

Das Objekt: ein vermietetes Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen in der Karlsruher Weststadt, Baujahr 1908, 480 Quadratmeter Grund. Der Kaufpreis samt Nebenkosten beträgt 1.450.000 Euro. Der Gebäudewert aus dem Ertragswertverfahren liegt bei 1.050.000 Euro. Vereinfacht setzen wir ihn in beiden Varianten gleich an.

Variante A übernimmt den Bodenrichtwert von 820 Euro ungeprüft. Variante B berücksichtigt, dass das Haus eine deutlich kleinere WGFZ hat als das Richtwertgrundstück. Aus dem Marktbericht ergibt sich ein Umrechnungskoeffizient von 0,85, also 697 Euro je Quadratmeter. Diese Zahl ist eine Annahme für das Beispiel, nicht der echte Wert der Zone.

PositionA: Richtwert ungeprüftB: Richtwert angepasst
Bodenwert (480 m²)393.600 Euro334.560 Euro
Bodenwertanteil27,27 Prozent24,16 Prozent
Gebäudeanteil am Kaufpreis1.054.655 Euro1.099.627 Euro
AfA mit 2,5 Prozent (Baujahr vor 1925)26.366 Euro27.491 Euro
AfA mit 4 Prozent (Restnutzungsdauer 25 Jahre)42.186 Euro43.985 Euro

Der Unterschied im ersten Schritt sind 44.972 Euro mehr Gebäudeanteil. Bei 2,5 Prozent bringt das 1.124 Euro mehr AfA im Jahr, bei 42 Prozent Grenzsteuersatz rund 472 Euro weniger Steuer.

Der zweite Schritt wirkt stärker. Weist ein Gutachten für das Haus eine Restnutzungsdauer von 25 Jahren nach, steigt der Satz von 2,5 auf 4 Prozent. Zusammen mit der angepassten Aufteilung liegt die AfA bei 43.985 statt 26.366 Euro. Das sind 17.619 Euro mehr Abschreibung und rund 7.400 Euro weniger Steuer pro Jahr.

Ein Haken: Eine kürzere Restnutzungsdauer senkt im Ertragswertverfahren auch den Gebäudewert. Bei zehn Prozent weniger Gebäudewert liegt die AfA in Variante B bei 42.835 statt 43.985 Euro, immer noch rund 16.500 Euro über Variante A.

Zur ehrlichen Einordnung: Insgesamt schreiben Sie nicht mehr ab, nur schneller, und der Gebäudeanteil ist früher verbraucht. Der Vorteil liegt im Zinseffekt. Alle Zahlen sind Richtwerte ohne Soli und Kirchensteuer. Mit Ihren eigenen Werten rechnet der AfA-Rechner.

Ermittlung Bodenrichtwert Finanzamt

Die Ermittlung des Bodenrichtwerts für das Finanzamt übernimmt nicht das Amt selbst, sondern der Gutachterausschuss. Er übermittelt die Werte nach § 196 Abs. 3 BauGB elektronisch. Wofür das Amt den Wert nutzt, hängt von der Steuer ab.

Grundsteuer: Im Bundesmodell ist der Bodenwert nach § 247 BewG Fläche mal Bodenrichtwert. Baden-Württemberg hat ein eigenes Bodenwertmodell. Dort lässt § 38 Abs. 4 LGrStG einen anderen Wert zu, wenn ein qualifiziertes Gutachten zeigt, dass der echte Wert um mehr als 30 Prozent abweicht.

Erbschaft und Schenkung: Für unbebaute Flächen gilt nach § 179 BewG Fläche mal Bodenrichtwert, bei bebauten fließt der Bodenwert in Sach- oder Ertragswert ein. Nach § 198 BewG dürfen Sie einen niedrigeren gemeinen Wert durch ein Gutachten nachweisen. Mehr dazu in den Beiträgen zur Schenkungssteuer und zum Freibetrag bei der Erbschaftsteuer.

Kaufpreisaufteilung: Hier erwartet das Finanzamt bei Vermietung eine Trennung von Boden und Gebäude. Ohne eigene Angabe rechnet es mit der Arbeitshilfe des BMF. Sie nimmt den Bodenrichtwert vom letzten Stichtag vor dem Kauf. Der BFH hat mit Urteil IX R 26/19 vom 21.07.2020 entschieden, dass diese Arbeitshilfe nicht bindend ist.

Für alle drei Fälle gilt: Den Richtwert selbst greifen Sie nicht an. Sie können aber darlegen, dass Ihr Grundstück anders zu bewerten ist. Ob das Finanzamt folgt, prüft es im Einzelfall.

Häufige Fehler beim Bodenrichtwert

Beim Umgang mit dem Bodenrichtwert sehen wir in der Praxis immer wieder dieselben Fehler:

FehlerFolgeWas hilft
Wert ungeprüft übernommenBodenwert zu hoch oder zu niedrigMerkmale mit dem Muster vergleichen
falscher StichtagWert passt nicht zum KaufdatumStichtag vor dem Kaufvertrag nehmen
falsche Zoneanderer QuadratmeterpreisZonengrenze in der Karte prüfen
ganze Fläche statt AnteilBodenwert einer Wohnung viel zu hochMiteigentumsanteil ansetzen
Bodenwert vom Preis abgezogenGebäudeanteil falschnach Verhältnis aufteilen

Besonders teuer ist der Fehler bei Wohnungen: Mit der ganzen Grundstücksfläche gerechnet, kann der Bodenwert sogar über dem Kaufpreis liegen. Richtig ist nur der eigene Anteil laut Teilungserklärung.

Ebenso häufig ist die Restwertmethode: Kaufpreis minus Bodenwert gleich Gebäude. Sie wirkt logisch, schiebt aber jeden Aufpreis und jeden Nachlass allein dem Gebäude zu. Der BFH verlangt die Aufteilung im Verhältnis der Werte.

Erst Kaufpreisaufteilung, dann Restnutzungsdauergutachten: so holen Sie bei hohem Bodenrichtwert mehr AfA heraus

Ein hoher Bodenrichtwert wirkt auf Ihre AfA in zwei Schritten. Erstens macht er den Bodenanteil groß und den abschreibbaren Gebäudeanteil klein. Zweitens bleibt auch der kleinere Gebäudeanteil beim pauschalen Satz von 2 oder 2,5 Prozent, auch wenn das Haus technisch keine 40 oder 50 Jahre mehr hält. Beide Schritte lassen sich korrigieren, und zwar in dieser Reihenfolge.

Schritt 1: die Kaufpreisaufteilung prüfen. Passt der Richtwert nicht zu Ihrem Grundstück, belegen Sie den niedrigeren Bodenwert und teilen den Kaufpreis nach dem Verhältnis der Werte auf. Wie das geht und wann die Arbeitshilfe ungünstig ist, steht im Ratgeber Kaufpreisaufteilung. Damit steht die Basis für Ihre AfA.

Schritt 2: den Satz mit einem Restnutzungsdauergutachten heben. § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG erlaubt eine höhere AfA, wenn die tatsächliche Nutzungsdauer kürzer ist. Den Nachweis führt ein Restnutzungsdauergutachten. Der BFH hat mit IX R 25/19 vom 28.07.2021 entschieden, dass jede im Einzelfall geeignete Methode genügt. Nach IX R 14/23 vom 23.01.2024 muss das Gutachten auf das konkrete Objekt eingehen. Das BMF-Schreiben vom 22.02.2023, das den Nachweis erschwert hatte, wurde mit Schreiben vom 01.12.2025 aufgehoben. Aufteilung und Gutachten sollten mit derselben Restnutzungsdauer rechnen, sonst passen beide Zahlen nicht zusammen.

Im Beispiel aus der Karlsruher Weststadt bringt der erste Schritt rund 472 Euro, beide Schritte zusammen rund 7.400 Euro weniger Steuer pro Jahr. Bei DuraCasa erstellt ein über die DAkkS-akkreditierte Zertifizierungsstelle IQ-Zert zertifizierter Sachverständiger das Gutachten zum Festpreis ab 895 Euro. Den Preis für Ihr Objekt zeigt der Preisrechner. Bei Vermietung sind die Kosten in der Regel selbst Werbungskosten.

Das funktioniert sogar rückwirkend. Haben Sie schon vor Jahren gekauft, lässt sich das Gutachten auf den damaligen Stichtag erstellen, wenn sich der Zustand belegen lässt. Die höhere AfA gilt dann für alle Jahre, deren Bescheid noch offen ist. Mehr dazu unter Nutzungsdauer-Gutachten rückwirkend.

Ob sich das für Ihr Haus lohnt, zeigt der Restnutzungsdauer-Rechner in wenigen Minuten. Er schätzt aus Baujahr und Modernisierungen die Restnutzungsdauer und das AfA-Potenzial. Die Gestaltung im Einzelfall klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Bodenrichtwert: häufige Fragen

Wie oft wird der Bodenrichtwert aktualisiert?

Der Bodenrichtwert wird nach § 196 BauGB zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres neu ermittelt, meist zum 1. Januar der geraden Jahre. Der letzte Stichtag war der 1.1.2026, der davor der 1.1.2024. Einige Ausschüsse, etwa in Nordrhein-Westfalen, ermitteln jährlich. Zwischen zwei Stichtagen bleibt der Wert gleich, auch wenn sich der Markt bewegt.

Ist der Bodenrichtwert kostenlos einsehbar?

Ja, fast überall. Über BORIS-D und die Landesportale, etwa BORIS-BW oder BORIS.NRW, sehen Sie den Wert kostenlos in der Karte. In Bayern ist die schriftliche Auskunft über BORIS Bayern gebührenpflichtig, viele Werte zeigt aber der BayernAtlas kostenlos. Eine schriftliche Auskunft des Gutachterausschusses kann jeder verlangen, meist gegen Gebühr.

Was bedeutet ein hoher Bodenrichtwert steuerlich?

Ein hoher Bodenrichtwert ist für Vermieter meist ungünstig. Der Bodenanteil am Kaufpreis steigt, der Gebäudeanteil sinkt, und damit die jährliche AfA. Auch Erbschaft- und Schenkungsteuer fallen höher aus, weil der Boden mehr wert ist. Passt der Richtwert nicht zu Ihrem Grundstück, können Sie einen niedrigeren Bodenwert mit einem Gutachten darlegen. Ob das Finanzamt folgt, entscheidet es im Einzelfall.

Kann ich den Bodenrichtwert beim Finanzamt anfechten?

Den Bodenrichtwert selbst können Sie nicht anfechten, er ist ein Durchschnitt für eine ganze Zone. Gegen einen Steuerbescheid, der auf ihm beruht, können Sie aber Einspruch einlegen. Bei Erbschaft und Schenkung erlaubt § 198 BewG den Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts durch ein Gutachten. Bei der Grundsteuer in Baden-Württemberg gilt § 38 Abs. 4 LGrStG ab einer Abweichung von mehr als 30 Prozent. Bei der Kaufpreisaufteilung ist die Arbeitshilfe des BMF nicht bindend.

Was gilt, wenn der Bodenrichtwert höher ist als der Kaufpreis?

Liegt der Bodenwert aus dem Richtwert nahe am Kaufpreis oder sogar darüber, bleibt rechnerisch kaum etwas für das Gebäude. Das ist bei einer vermieteten Immobilie selten plausibel. Prüfen Sie zuerst Fläche, Zone und Stichtag, bei Wohnungen den Miteigentumsanteil. Stimmt alles, spricht viel dafür, dass Ihr Grundstück vom Richtwert abweicht. Ist der Bodenrichtwert dagegen niedriger als der Kaufpreis, sind meist nur die Preise seit dem letzten Stichtag gestiegen. Bodenrichtwert und tatsächlicher Preis laufen dann eine Weile auseinander.

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